Wie bekomme ich ein Konto in Deutschland?
Lohn, Miete, Jobcenter, Handyvertrag: Alles läuft über ein Konto. Wer keines bekommt, steht überall an.
Das Wichtigste
Jede Bank muss dir ein Basiskonto eröffnen – auch mit Duldung.
Jeder hat ein Recht auf ein Konto
Das ist kein Entgegenkommen, sondern Gesetz. Jede Bank, die Girokonten für Privatleute anbietet, muss dir ein Basiskonto eröffnen, wenn du dich rechtmäßig in der EU aufhältst. Das gilt auch ohne festen Wohnsitz, mit Aufenthaltsgestattung und mit Duldung. Und es gilt weiter, wenn die erste Bank Nein sagt.
Du stellst den Antrag
Bei jeder Bank, die Girokonten anbietet. Sag ausdrücklich, dass du ein Basiskonto willst – nicht jedes Konto ist eines.
Nach dem Antrag
Die Bank hat zehn Geschäftstage
In dieser Zeit muss sie dir das Konto anbieten oder schriftlich absagen. Passiert gar nichts, gilt das wie eine Absage.
Wenn die Bank Nein sagt
Lass dir die Absage schriftlich geben
Mündlich zählt nicht. Und ein negativer Schufa-Eintrag allein ist kein erlaubter Grund für eine Absage.
Wenn die Absage bleibt
Die Aufsicht entscheidet für dich
Bei der BaFin beantragst du ein Verwaltungsverfahren und legst deinen Antrag und die Absage bei. War die Ablehnung unzulässig, ordnet die BaFin die Eröffnung an.
Was du mitbringen musst
Die Bank muss deine Identität prüfen – das ist der eigentliche Grund für die Papiere. Fehlt eines, heißt das nicht, dass es nicht geht.
- Personalausweis oder ReisepassEin amtliches Papier mit deinem Foto.Auch Aufenthaltsgestattung, Duldung oder Ankunftsnachweis werden akzeptiert.
- MeldebescheinigungDer Nachweis, wo du gemeldet bist. Gibt es beim Bürgeramt.Ohne feste Wohnung genügt eine Anschrift, unter der dich Post erreicht.
- Steuer-IdentifikationsnummerElf Ziffern. Kam nach deiner Anmeldung per Brief.Verloren? Das Bundeszentralamt für Steuern schickt sie kostenlos neu.
- AufenthaltstitelWenn du keinen deutschen Ausweis hast.Eine Kopie reicht meist nicht – bring das Original mit.
Was ein Konto kosten darf
„Kostenloses Konto“ heißt selten kostenlos für alle. Die zweite Gruppe ist die, bei der die meisten hineinlaufen: Das Konto ist gratis, solange eine Bedingung erfüllt ist – und wenn sie wegfällt, merkt man es erst auf dem Auszug.
Kostenlos, ohne Bedingung
Meist bei Banken ohne Filiale.
- Kontoführung 0 €
- Karte oft inklusive
- Alles online
Kostenlos, solange du etwas erfüllst
Fällt die Bedingung weg, wird es teuer – oft, ohne dass du es merkst.
- Geldeingang jeden Monat
- Nur bis zu einem Alter
- Nur mit Online-Auszug
Kostet immer etwas
Dafür bekommst du einen Schalter, an dem jemand sitzt.
- Filialbanken
- Basiskonto
- Konten mit Extras
Girocard, Debitkarte, Kreditkarte
Drei Karten, die oft alle „Kreditkarte“ genannt werden und drei verschiedene Dinge tun. Der Unterschied wird wichtig, sobald du etwas im Internet bestellst oder ins Ausland fährst.
Wann wird abgebucht?
- Girocard: Sofort
- Debitkarte: Sofort
- Kreditkarte: Einmal im Monat
Zahlen im Internet?
- Girocard: Nein
- Debitkarte: Ja
- Kreditkarte: Ja
Zahlen im Ausland?
- Girocard: Oft nicht
- Debitkarte: Fast überall
- Kreditkarte: Fast überall
Was die Bank verlangt
- Girocard: Nur ein Konto
- Debitkarte: Nur ein Konto
- Kreditkarte: Eine Bonitätsprüfung
Was Gebühren auslöst
Die Kontoführung ist selten das, woran es liegt. Teuer wird ein Konto durch einzelne Vorgänge, die man für selbstverständlich hält.
Was du im Jahr für dein Konto zahlst
- Geld am fremden Automaten abhebenerhöhtBei einer fremden Bank können mehrere Euro pro Abhebung anfallen. Am Automaten der eigenen Bankengruppe kostet es nichts.
- Das Konto überziehenerhöhtDer Dispo ist der teuerste Kredit, den eine Bank vergibt – siehe unten.
- Überweisung am Schalter statt onlineerhöhtViele Banken nehmen dafür ein eigenes Entgelt, oft mehrere Euro je Auftrag.
- Regelmäßiger GeldeingangsenktGenau das setzen die meisten kostenlosen Konten voraus.
- Auszüge online abrufensenktDer Auszug per Post kostet fast überall extra, online nichts.
Der Dispo ist der teuerste Kredit
Wenn dein Konto ins Minus rutscht, leihst du dir Geld von der Bank – zu einem Zinssatz, der weit über dem eines normalen Kredits liegt. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt dafür jedes Jahr einen dreistelligen Betrag, ohne je etwas gekauft zu haben.
- Ratenkredit4–9 % im Jahr
- Dispositionskredit9–14 % im Jahr
Wechseln, ohne etwas zu verlieren
Ein Kontowechsel ist unangenehmer als er ist – vor allem, weil man Angst hat, dass eine Zahlung durchrutscht. Vier Dinge nehmen dem die Schärfe.
- Erst das neue Konto eröffnen, dann das alte kündigen. Dazwischen darf ruhig ein Monat liegen.
- Deine neue Bank muss dir beim Umzug der Daueraufträge und Lastschriften helfen – das steht im Gesetz.
- Sag Arbeitgeber, Jobcenter, Vermieter und Versicherung die neue Nummer, am besten schriftlich.
- Eine Wechselprämie hängt fast immer an einem Geldeingang über mehrere Monate. Ohne den gibt es sie nicht.
Ein Mensch, wenn du ihn brauchst
Zusammen zur Bank?
Wenn du magst, geht jemand die Unterlagen mit dir durch – oder hilft dir weiter, wenn eine Bank dich abgelehnt hat.

